AUFERSTEHUNG JESU UND HIMMELFAHRT

Als der Sabbat (Samstag) vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Am ersten Tag der Woche (Sonntag) kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. Sie sagten zueinander: "Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen ?" Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: "Frau, warum weinst du ?" Sie antwortete ihnen: "Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat." Die Engel aber sagten zu den Frauen: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten ? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen." Da erinnerten sie sich an seine Worte. Als der Engel das gesagt hatte, wandte Maria sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: "Frau, warum weinst du ? Wen suchst du ?" Sie meinte es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: "Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag' mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen." Jesus sagte zu ihr: "Maria !" Da warf sie sich vor ihm nieder, umfasste seine Füße und sagte auf hebräisch zu ihm: "Rabbuni", das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: "Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh' aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott." Und Sie kehrten in die Stadt zurück und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern. Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht. Petrus aber stand auf und Johannes folgte ihm; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil Johannes schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch Johannes, der zuerst zum Grab gekommen war, hinein: er sah und glaubte. Dann kehrten sie nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen war. 

Am Abend dieses ersten Tages der Woche (Sonntag), als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: "Friede sei mit euch!" Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: "Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht." Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: "Habt ihr etwas zu essen hier?" Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sprach er zu ihnen: "Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist." Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift: Er sagte zu ihnen: "So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. Ihr seid Zeugen dafür. Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herab senden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet (Pfingsten). Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt. Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden." Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: "Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?" Er sagte zu ihnen: "Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen seinin Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde."

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin sie Jesus gesandt hatte. Und da sie ihn sahen, beteten sie ihn an; einige aber zweifelten. Da trat Jesus vor sie und sprach zu ihnen: "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht darum hin und macht alle Menschen zu Apostel und Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie lehrt, alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe. Seht, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt."

Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien (11 km) von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: "Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?" Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen er hieß Kleophas antwortete ihm: "Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist ?" Er fragte sie: "Was denn ?" Sie antworteten ihm: "Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten ihnen gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht." Da sagte er zu ihnen: "Begreift ihr denn nicht ? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen ?" Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: "Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt." Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. Und sie sagten zueinander: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift er schloss ?"

Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: "Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen." Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten als er das Brot brach. Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: "Wir haben den Herrn gesehen." Er entgegnete ihnen: "Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage dar auf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: "Friede sei mit euch!" Dann sagte er zu Thomas: "Strecke deine Finger aus hier sind meine Hände! Strecke' deine Hand aus und lege' sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete ihm: "Mein Herr und mein Gott!" Jesus sagte zu ihm: "Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!" Und er sprach weiter zu ihnen: "Geht hin in alle Welt und verkündet das Evangelium der Liebe (die frohe Botschaft) allen Menschen der Erde! Wer an die Liebe glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet  werden. Die Heiligen (Jünger Jesu) aber wird man an folgenden Zeichen erkennen: In meinen Namen werden sie Dämonen und Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden. Kranken werden sie die Hände auflegen, und diese werden gesund werden."

Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanael aus Kanaa in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: "Ich gehe fischen." Sie sagten zu ihm: "Wir kommen auch mit." Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: "Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?" Sie antworteten ihm: "Nein." Er aber sagte zu ihnen: "Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: "Es ist der Herr!" Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen (90 - 100m) und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: "Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt." Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: "Kommt her und esst!" Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: "Wer bist du?" Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?" Er antwortete ihm: "Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe." Jesus sagte zu ihm: "Weide meine Lämmer!" Zum zweiten mal fragte er ihn: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" Er antwortete ihm: "Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: "Weide meine Schafe!" Zum drittenmal fragte er ihn: "Simon, Sohn des Johannes liebst du mich?" Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zur Antwort: "Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe." Jesus sagte zu ihm: "Weide meine Schafe! Amen, Amen, das sage ich dir: "Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst." Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: "Folge mir nach."

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen." Dann kehrten sie vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg (1 km) von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelote, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.

 
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