Der "babylonische" Einfluss in der Partnerschaft

..... Am schmerzlichsten ist wohl die Erkenntnis, dass man gerade jene Menschen, die man am meisten liebt, nämlich den Liebes- bzw. Ehepartner, auch am meisten verletzen kann, denn von ihm, dem Allernächsten, wurde das Herz am tiefsten berührt.

Im Grunde will man ihm gar nicht wehtun, aber es geschieht dies doch, und zwar aus der Macht des ungeläuterten Unterbewußtseins heraus, welches noch zu einem Teil von den ichsüchtigen Trieben und den verdrängten seelischen Verletzungen beherrscht und gelenkt wird. Diese „Fremdenergien“ überrollen erfahrungsgemäß immer wieder unseren Willen und beleidigen und verletzen das Leben des geliebten Menschen an unserer Seite und letztlich auch das eigene.

Dabei war es in der ersten Zeit so unbeschreiblich schön, und die Liebe war voll entflammt und alles war so abgehoben und berauschend, sodaß und man alles wie überirdisch empfand und einem die gewohnte äußere Welt ganz fremd vorkam. Mit einem Wort, man schwebte in höheren Sphären und war darin voll glücklich. In diesem Glücksgefühl konnte man wunderbar die innerste Liebe im Liebespartner und auch in sich selbst klar fühlen und erkennen.

Die alles erwärmenden Liebesflammen, die sich durch die polare Anziehung entzündet hatten, hatten die beiden Seelen voll erregt und sie eingetaucht in die tieferen Schichten des inneren Seins und damit in den Ur- Funken der ewigen Liebe selbst. Dagegen wurde der Schein der materiellen Welt mit seinen Störungen und Unstimmigkeiten nicht mehr wahrgenommen. Auch waren alle selbstsüchtigen Seelentriebe und seelischen Wunden der altgewohnten Egos wie weggewischt und man erlebte sich gegenseitig als völlig fehlerfrei und makellos. Materielle Zeit und materieller Raum waren wie aufgehoben und der sonst schwere Erdenkörper war kaum noch zu spüren. Man war ein Herz und eine Seele und miteinander so innig verschmolzen, daß man keine Worte mehr brauchte, um einander verstehen zu können. Einer erfühlte und erkannte den anderen in seinem innersten Wesen und erlebte dessen Schönheit und Tiefe.

Viele werden diese visionäre Zeit des sogenannten „Honigmondes“ erlebt haben, so oder so, und sich an diesem zutiefst realen Zustand erinnern können. Wenn es auch so manchen danach nur mehr wie ein schöner Traum in der Erinnerung geblieben ist, so befand man sich doch eine Zeit lang in der Sphäre der wahren göttlichen Liebe.

Aus den Neu-Offenbarungen Jesu geht hervor, daß Gott uns aus Seiner Gnade für einige Zeit diesen hohen Seins-Zustand schenkt, um uns erleben zu lassen, was wahre Liebe wirklich ist. Liebe, wie Er sie meint. Wenn Gott dann so nach und nach diesen Gnadenhauch von den Liebenden wieder zurückzieht, so geschieht es nur deshalb, wie Er selbst sagt, damit die Partner diese herrliche Liebe im Laufe ihres irdischen Lebens gemeinsam selbst erringen sollen. Nur so kann sie zum festen und unversiegbaren Eigentum werden und kann durch keine babylonisch – satanische Macht mehr genommen werden.

Ist jedoch einmal die göttliche Berührung verflogen, so kehrt der seelische Alltag mit all seinen alten ichsüchtigen Tendenzen und Schwierigkeiten wieder ein. Wenn auch der göttliche Zustand bei einem länger, beim anderen weniger lang gedauert hat, so ist es aber doch sicher, daß nach dessen Abklingen das alte Ego wie eine Schlange wieder hervorkriecht und sich breit macht in den Seelen der Liebenden. Die alteingesessenen ungeläuterten Seelentriebe und die alten Verletzungen drängen aus der Versenkung wieder hoch und stören und verunsichern die erlebte Liebe wo sie nur können. Dadurch entstehen Mißverständnisse und Misshelligkeiten und die alte Scheinwelt beginnt sozusagen wieder zu flimmern und versucht den Liebenden zu suggerieren, daß der erlebte hohe Seinszustand nicht real, sondern nur Einbildung war. Die Egos ergreifen wieder voll Besitz von den Seelen und bestimmen aus dem alten Zwängen und Verletzungen heraus wieder das gegenseitige Verhalten und die Liebenden merken mit Entsetzen wie wenig sie dagegen ausrichten können.  

Wenn sich dieser Zustand einmal eingestellt hat, so ist es höchste Zeit, dagegen etwas zu unternehmen. Man sollte gemeinsam darüber nachdenken, wie man mit diesen   lieblosen Kräften umgehen soll, damit man sich nicht gegenseitig immer wieder verletzen muß. Hat man sich im besseren Fall darauf geeinigt, die noch ichsüchtigen Eigenschaften mutig jeweils erkennen, anzuschauen und verändern zu wollen, dann wurde schon ein wichtiger erster Schritt zur Erhaltung der gegenseitigen Liebe gemacht. Als Orientierung und visionäres Ziel für die nun beginnende Überwindungsarbeit sollte die erlebte himmlische Liebe der ersten Zeit dienen. Sie sollte immer dann in Erinnerung gerufen werden, wenn auf dem Weg des gemeinsamen Werdens seelische Spannungen auftauchen, die das Zusammenleben trüben und schwer machen.

Tut man hingegen nichts gegen das alte Ego, wie es leider zumeist der Fall ist, so kommt es mit Sicherheit bald dazu, daß einer dem anderen für die entstandenen Lieblosigkeiten die Schuld zuschiebt und keiner von den Partnern gewillt ist, vor seiner eigenen Türe zu kehren. Ehe man sich dann versieht, flammt der Machtkampf auf und in der Folge davon glaubt einer vom anderen, daß er sich in ihm getäuscht hätte. Hat dann, im schlechteren Falle, der Machtkampf beide Partner voll ergriffen, so wird die anfängliche schöne Liebe bis zur Unkenntlichkeit entstellt und Trennungswünsche tauchen auf.  

Aber auch bei jenen, die sich für eine gemeinsame Überwinderarbeit entschlossen haben, muß damit gerechnet werden, daß immer wieder ungeläuterte Energien aufkommen und aufeinanderprallen und neue, immer stärkere Spannungen erzeugen. Spannungen, die gelöst werden wollen. Die ichsüchtigen Triebe des Stolzes, des Zornes, der Eifersucht, der Vergeltung, der Überheblichkeit usw. gehen aufeinander los und Zank, Verachtung, Erniedrigung, gegenseitige Entwertung sind die Folge davon. Und immer öfter ist es der Fall, dass man sich in einer spannungsgeladenen Situation ganz fremd gegenübersteht und einer den anderen nicht mehr erkennen und verstehen kann. Feindlich steht man sich gegenüber und es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen. Es bedarf da schon einer konsequenten gemeinsamen seelischen Arbeit, um solche Krisen bewältigen zu können.

Es ist fatal aber wahr: die tiefsitzenden seelischen Verletzungen und schlechten Eigenschaften kommen erst dann voll zur Auswirkung, wenn sie vom Feuer der gegengeschlechtlichen Liebe entzündet worden sind. Und je stärker die Seelen vom Feuer erfasst werden, desto mehr werden sie aufgeweicht und desto tiefere Schichten des Unterbewusstseins werden hochgehoben und kommen zur Geltung. Da ist dann gegenseitiger Beistand und gegenseitiges williges Ertragen sehr gefragt, damit die Liebe erhalten werden und die seelische Arbeit fortgesetzt werden kann. In härteren Fällen wird von außen, d h. von anderen Menschen, Hilfe benötigt.  

Der Weg des gemeinsamen Werdens, des Kampfes um jene Liebe, die in der Vision gezeigt wurde, ist kein leichter Weg. Er ist jedoch, meiner Erfahrung nach der einzige, der bleibende Früchte bringen kann. Es sollte in dieser Phase der Lernzeit der Wille von beiden Partnern fest auf dieses visionäre Ziel gerichtet sein und auch bleiben und sie sollten nicht davon ablassen, diesen Weg bis zur Vollendung ihrer Liebe weiterzugehen. Und das auch dann, wenn die auftauchenden Hindernisse als unüberwindbar erscheinen, sodass man schon fast an sich selbst oder am anderen oder auch an Gott verzweifeln könnte.

Beide sollten den Glauben daran nicht verlieren, dass tief im eigenen Inneren der Urfunke der wahrhaftigen Liebe wohnt, der aber noch von den selbstsüchtigen Eigenschaften und den seelischen Verletzungen überlagert und getrübt ist. Daran sollte man sich speziell dann immer wieder erinnern, wenn man nach einer gröberen Auseinandersetzung erschöpft in der Ecke seiner Seele liegt und nicht mehr daran glauben kann, dass man sich je wieder erheben und einander je wieder nahekommen kann. Ist man jedoch nach so einem Sturz bereit, jeweils seine eigenen Fehler einzusehen und daran zu arbeiten, und kann man auch dem Partner seine Fehler vergeben, die er noch machen muss, weil er sie noch nicht überwinden konnte, so geht man gestärkt aus der scheinbaren Niederlage wieder hervor, und es konnte ein kleines Stück wahrhaftiger Liebe, im Sinne der geistigen Wiedergeburt, errungen werden.

Es bedarf natürlich des festen Glaubens, daß eingekapselt im Partner die Vollkommenheit liegt, die nur darauf wartet, durch die selbstlose, uneigennützige und gebende Liebe erweckt zu werden. Ohne das geoffenbarte Wort Gottes, nur aus uns selbst heraus, würden wir es nicht wissen. Gottseidank gibt es göttliche Offenbarungen, aus welchen wir entnehmen können, daß dieser Ur-Liebesfunke nicht nur in uns wohnt, sondern dass er auch unvernichtbar ist. Er bleibt auch dann unser innerstes Leben, wenn wir einst die morsch gewordene materielle Hülle ablegen müssen. Wohl denen, die es erkannt haben, dass es Ziel und Zweck des Erdenlebens ist, die Liebe zu Gott und den Menschen wieder zu erringen, damit dieser Ur-Lebensfunke wieder zu unserer Identität werden kann.

Was aber sind die Eigenschaften unserer Ur-Individualität? Es sind die Sanftmut, Langmut, die rechte freie Demut (nicht Unterwürfigkeit), uneigennützige Liebe, Barmherzigkeit, Geduld (auch geduldiges Ertragen der Misshelligkeiten des irdischen Lebens), Treue, freiwilliger Gehorsam der göttlichen Liebe gegenüber (das Horchen auf die wahre Liebe und das Tun danach) und die Vergebung, und auch die Bereitschaft für den Nächsten ein Opfer zu bringen, wenn dieser sich noch nicht verändern kann, und die Beharrlichkeit im Glauben und der Liebe zu Gott.

Arbeiten beide Partner konsequent an sich im Sinne dieser göttlichen Eigenschaften, so werden immer tiefere Schönheiten im Partner und auch in sich selbst erkennbar und erlebbar und man kommt der anfänglich erlebten großen Liebe immer näher. Das ist dann der Lohn für die seelische Anstrengung, für die man sich freiwillig entschieden hat.

Versäumt man es jedoch, diese äußerst wichtige Lebenstätigkeit anzugehen, weil entweder das Wissen darüber fehlt oder weil man sich keine Zeit dazu nimmt, oder man diese Arbeit aus Angst vor der Berührung der alten Wunden meidet, oder aus Trägheit für die Veredelung der Seele nichts tun will, oder der Stolz es nicht zulässt die eigenen Fehler zu erkennen, wird die Selbstsucht immer ungezügelter und die Streitigkeiten immer heftiger, sodaß man dann nur mehr eines im Sinn hat, nämlich den Partner so bald als möglich und auf immer zu verlassen.

Auszug aus dem Buch: "Der Kampf gegen die babylonischen Kräfte
auf dem Weg zu sich selbst"

Autor: Franz Falmbigl - Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Verlag: novum Verlag

ISBN/EAN: 9783990385890

Seitenzahl: 254
Format: 215 x 135 mm
Einbandart: Taschenbuch/Softcover
Sprache: Deutsch